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Montag, 27. Juni 2011

Zanzibar International FIlm Festival


(Quelle: http://www.ziff.or.tz/)
Gestern endete das neuntägige und bereits  vierzehnte  Zanzibar International Film Festival of the Dhow-Countries. Mit 71 Filmen, sämtlichen Liveband-Auftritten, Pressekonferenzen und Workshops sowie unübersichtlich viel anderem Rahmenprogrammnahm einen das ZIFF komplett in Anspruch.

In dem alten Kolonialbau und zeitweiligem Sultans-Palast House of Wonders (Beit-al-Ajab) sowie im Grand Palace Hotel und abends dann unter freiem Himmel im Amphitheater des von Portugiesen erbautem Old Fort wurde eine Vielzahl von Dokumentationen, Kurzfilmen und Spielfilmen gezeigt. Als Schwerpunkt waren dieses Jahr Filme aus dem Iran, Trinidad und Tobago und Australien zu Gast.

Besonderer Höhepunkt war, das die Produzenten Donall McCusker („The Hurt Locker“, 6 Academy Awards 2008) und Paul Miller sowie der renommierte Regisseur Nick Broomfield (Kurt & Courtney, Biggie & Tupac, Battle for Haditha) Workshops gaben, die eine einmalige Chance für ostafrikanische aber auch international angereiste Filmemacher bot.

Neben dem filmischen Programm gab es jeden Abend Live-Musik zu hören, wobei der Liveaufritt von Reggae und Dancehall Ikone Shaggy einen Ansturm von Besuchern auslöste der mit deutlichem Einsatz von Polizei zurückgedrängt wurde. Das dann zwischen durch die Technik ausfiel und für Verzögerung des Auftritts und Unmut unter den Artisten auf der Bühne auslöste war nur kennzeichnend für das ganze Festival.

Veranstaltungsplätze wurden geändert ohne dies mitzuteilen, die zuständige Information wurde mit Fehlinformationen gefüttert, die Festivaltickets sowie die dazugehörigen T-Shirts kamen erst im Laufe des Festivals an, Filme wurden unterbrochen, ausgelassen oder nicht aufgelistet, das Festivalprogrammheft war mit unzähligen grammatikalischen und etlichen inhaltlichen Fehlern gespickt. Doch was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist das während dem Eröffnungsfilm „Making the Band“ aus Kanada und Uganda  in Stone Town der Strom ausfiel (was normal und einkalkulierbar ist) und die Ersatzgeneratoren erst nach gut einer Dreiviertelstunde wieder ansprangen. Dieses Malheure war mehr als peinlich schließlich sind in Zanzibar landesweite Stromausfälle an der Tagesordnung und gehören einkalkuliert. Beispielsweise waren bei dem internationalen Musik Festival Sauti Za Busara im Februar Stromausfälle nie ein wirkliches Problem.

Wo die sämtlichen Probleme liegen bleibt jedoch für mich im Dunkeln, wie Stone Town bei Stromausfall. Doch auch wenn der Direktor des Festivals Martin Mhando eine sehr sympathische Persönlichkeit ist so hat sein Nachfolger doch einiges zu verbessern um dem Ruf des Festivals der Dhow Countries gerecht zu werden.

Nichtsdestotrotz waren die neun Tage ein aufregende und höchst inspirierende Zeit. Die Einfachheit mit internationalen und lokalen Größen in Kontakt zu treten, zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen sind ein enormer Bonus für das Zanzibar International Film Festival. Keine Arroganz und viele Workshops, Foren und Diskussionen mit erprobten Filmemachern ermöglichten ein Programm, das lokale Filmemachern eine Plattform und Fortbildung ermöglichten, was sicher der Hauptbonus an diesem Festival ist. Im Allgemeinen herrschte trotz  der vielen Versäumnisse und Fehlern eine höchst entspannte und gute Stimmung die nur noch das gute Wetter und die wunderschönen Veranstaltungsorte des Festival mit ihrem maritim-arabischen Flair toppen konnten.

Als besonderer Höhepunkt lässt sich die Dokumentation „Journey to the State House – Life of Maalim Seif Shariff Hamad“ von Javed Jafferji über den Vizepräsidenten Zanzibars und die nahezu legendären Wahlen in Zanzibar im Oktober 2010 dokumentiert. Da hier der porträtierte Vizepräsident Seif Shariff Hamad zu Gast war, wehte mit dem roten Teppich, der einmarschierenden Leibgarde sowie dem Blitzlichtgewitter um Seif’s schillernden Mercedes ein Hauch vom pompösen Glanz der großen Filmfestivals in das Amphitheater des Old Forts. Während des Films dann entstand eine familiäre Atmosphäre. Sobald die Zanzibaris etwas ihnen bekanntes oder etwas persönliches Seifs (meist bei Kinderfotos seinerseits oder bei seiner Frau) gezeigt wurde, begannen sie laut zu klatschen und riefen Kommentare in die Menge, die nur noch mehr Gelächter hervorriefen.  Ein einzigartiger Moment.

Ein besonderer Dank sollte Donall McCusker, Paul Miller, Danny Schechter, Daonald Ranvaud und besonders Nick Broomfild gelten, die mit ihrer Gegenwart das Festival beehrten und sich eine Woche lang den etlichen Fragen von Journalisten und Filmemachern stellten und trotz der uneuropäischen Organisation nie die Laune verloren. Auch nicht als Nick Broomfield, mehrmals mit seiner „Klasse“ hinundher rennen musste, bis man endlich einen Raum für sein Forum gefunden hatte. Dankeschön.

Am Sonntag den 26. Juni endete das Festival mit einem weiteren Höhepunkt und zwar einem Thementag, der nur Bongo-Filme (tansanischer Spielfilm)zeigte und so den Zanzibaris eine Tag schenkte an dem sie sich nicht mit Untertiteln oder Übersetzungen rumschlagen mussten und der ihre Themen behandelte. Der Auftritt der tansanischen Filmszene besonders der des Drehbuchschreibers, Regisseurs und Schauspielers Steven Kanumba lockte ein weiteres Mal nach der Dokumentation über Vizepräsident Seif Shariff Hamad eine große Masse an Zanzibaris in das Amphitheater. Außerdem soll der Film „Glamour“ von Amitabh Aurora und Javed Jafferji erwähnt sein der erstmalig eine sansibarische Produktion ist und mit der Darstellung des  verkommenen und brutalen Modelgeschäfts meiner Meinung nach einen filmischen Meilenstein im tansanischen Spielfilm setzte. Auch wenn sich die Jury des Preises für den besten tansanischen Film  für „Ray of Hope“ entschied.

Dienstag, 7. Juni 2011

Nairobi - Kunst und Kultur


Die Sonne geht unter über Nairobis Uptown. Bild: Daniel Koßmann


9 Tage Kenia liegen hinter mir. Warum Kenia? Einerseits wollte ich Freunde treffen und andererseits bin ich auf der Suche nach Praktikumsplätzen in der aufstrebenden kenianischen Filmindustrie gewesen.
Doch erzählen möchte ich von Kenias Hauptstadt Nairobi:

Crowded!
Mit seinen über 2,75 Millionen Einwohner war Nairobi wie ein Schock. Ein Explosion von Eindrücken und ein Aufbegehren der Sinne. Mit seinem urbanem Flair der Hochhäusern, der Downtown, der Polizeisirenen und der Anonymität der Masse versetzt es einen Jungen (Ich) vom Land (Zanzibar) in Staunen. Ähnlich muss sich ein mittelalterlicher Bauer vom Land gefühlt haben, als er sich im Schatten einer außerirdischen Kathedrale wiederfand. 
Uptown Nairobi. Bild: Sophie Tritschler

Anders als Dar Es Salaam oder auch Kigali, den Hauptstädten von Tanzania und Rwanda, weist Nairobi weitausgrößere Straßenschluchten, breite Gehwege und Einkaufsladen auf. Hier quellen die Gehwege über vor Menschen in Businessanzügen. Hier reiht sich Geschäft an Geschäft, und Auto an Auto. Hier findet man Buchläden mit kritischer Literatur (und Leute die das auch lesen). Schaut man an den Hochhäusern hinauf so schwindelt es einen, schaut man hinab, weiß man nicht auf was man seinen Blick richten soll. Zu viele Eindrücke. Auch Militär und Polizei tritt eher selten in Erscheinung.

Sieht doch aus wie ein Maiskolben, oder?
Nairobi ist anonym und englisch! Auch wenn Kiswahili mit Englisch zusammen Landessprache ist, spricht man ab der gehobenen Mittelklasse oft Englisch. Versuchte ich auf Kiswahili, dessen im Grunde alle Kenianer fähig sind, Essen zu bestellen oder eine Busfahrt zu bezahlen stieß ich auf fragende Blicke. >>Was hat der gesagt?<< Genervt musste ich in den meisten Fällen auf Englisch mein Anliegen wiederholen. Sei es weil man von mir nicht erwartet, dass ich Kiswahili spreche oder weil man mein Kiswahili nicht versteht (sehr viele Kenianer versicherten mir, dass mein Kiswahili besser als ihres sei, was natürlich nicht ganz stimmt). Und dann staunte man auch noch die ganze Zeit, wenn ich jemand begrüßte oder höflich ansprach, wie ich es auf dem hierarchischen und höflichen Zanzibar gelernt habe. Nairobi ist anonym! >>Hey, man was willst du warum sprichst du mich an!<<

Reclaim Your City!
Doch das eigentlich interessante an Nairobi: Hier tummelt sich Ostafrikas Kulturszene. Ob Theater, Kino, Bildende Kunst, Musik, Graffiti, Skateboard-Gangs  es scheint alles vertreten zu sein was das Herz begehrt. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Mit offenem Mund taumelte ich durch die Schluchten und Canyons Nairobis auf der Suche nach dem nächsten Graffiti-Tag, dem nächsten Graffiti dem nächsten Plakat für ein Konzert, eine Ausstellung oder ähnliches. Ich will nicht übertreiben natürlich ist Nairobi nicht New York, Berlin oder London, doch im Vergleich zu  Tanzania und Zanzibar ist es die Metropole schlecht hin. Und das ist dem Nairobianer auch bewusst. So hieß es in dem Theaterstück(!) „Men Are From Kenya Women Are From Pluto“ auf die Frage eines über ihre Hausaufgaben gebeugten  kleinen Mädchens an ihren Vater >>Dad, what is metropolitan?<< als Antwort >>Write: Nairobi!<<

Wenn hinter der Skyline die goldene Sonne untergeht und die Wolkenkratzer das emsige Gewusel Nairobis‘ Schützlinge  in lange Schatten taucht, dann wird es lebendig und auch gefährlich. Lebendig wenn  in der Alliance Française sich der Vorhang für Churchills (beliebter kenianischer Comedian) neues Theaterstück „Men Are From Kenya Women Are From Pluto“  hebt. Lebendig wenn im Goethe Institut zur Finissage einer Videokunstaustellung namens „Kudishnayo“ die kenianische Elektro-Funk Combo „Just A Band“ auflegt. Und lebendig wenn die vielen Bars und Clubs mit internationalen und ostafrikanischen Beats ihre Gäste in Wallungen bringen. 
Die Skyline Nairobis und Ich. Bild: Daniel Koßmann

Coca Cola's verzerrte Realität.
Beeindruckend ist des Weiteren die Bildung und die Offenheit vieler Leute, die ich getroffen habe. Ich konnte Themen anschneiden, ja diskutieren bei deren bloßen Einleitung meine sansibarischen Freunde schon hätten abschalten müssen. Austausch und Lernen auf einer Ebene. Nairobis Kultur züchtet sich selbst heran. Ich glaube, dass man Einfluss und Anreiz braucht um sich künstlerisch entwickeln zu können. Ohne Anreiz  (siehe Tanzania) keine Entwicklung. Doch in Nairobi wächst eine eigene Kulturszene heran. Die vom gegenseitigen Austausch und Ansporn zu leben scheint. So entstehen Projekte wie BLNRB – eine Musikalbum von Berlinern und nairobischen Musikern. So entstehen Co-Produktionen zwischen Kenianischen Filmemachern (GingerInk.TV) und dem deutschen berühmten Regisseur Tom Tykwer (Lola Rennt, Das Parfum, The International) die in Projekten wie „Soul Boy“  ufern. 

Und wenn dann die Sonne aufgeht und man sich noch eine Portion Chips (Pommes Frites) holt, die anders als sonst immer in Tanzania, nicht aus echten Kartoffelstücken sondern aus ekligen Pommes aus der Tüte wie im McDonalds besteht, dann kann man mit der Frühschicht nach Hause fahren und beglückt einschlafen und sich auf das nächste Kulturevent freuen. >>War morgen nicht das europäische Filmfestival in der Alliance Française?<<
Unterwegs mit Sophie aus Rwanda...
...und Daniel aus Nairobi. Einfach ne gute Zeit!
verschlafen aus dem Nachtbus (Mombasa-Nairobi) raus
und frierend auf den nächsten Bus warten. Bild: Sophie T.
Wer mehr über Nairobi wissen will schaut auf Daniels Blog . Hier gibt es auch eine Sammlung an Streetart- und Kunst-Fotos!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Noch 90 Tage… der Countdown läuft

mein geliebtes Stone Town von oben

Echt verrückt jetzt sind einfach schon drei Viertel meines Aufenthalts hier vorüber und in rund drei Monaten in genau 90 Tagen fliege ich wieder ab gen Europa. Wie schnell die Zeit vergeht.

Wie ich mich jetzt fühle ist jedoch schwer zu sagen. Zanzibar ist für mich mein neues Zuhause geworden. Ich fühle mich wohl in meiner kleinen Gastfamilie, Leute in der Stadt kennen und respektieren mich, ich bin mit meiner Arbeit zufrieden und Kultur und Essen sind in großen Teilen übernommen. Auch beherrsche ich Kiswahili ausreichend genug um mich zu verständigen, auch wenn ich mit einem kleinen bisschen Lernen sicher um Welten besser sprechen könnte – aber die alte Faulheit ist zu stark. Naja, es geht auch so.
Chris und Ich zufrieden über den Dächern von Stone Town
Trotz alledem merke ich in letzter Zeit, wie ich mich wieder auf ein westliches Umfeld freue und wie das Verlangen danach größer wird. Sich ohne Verständnisprobleme durch den Alltag zu bewegen, in der Masse zu verschwinden und nicht andauernd rassistischen Kommentaren meiner Hautfarbe wegen ausgesetzt zu sein, einfach mal wieder italienische Küche essen und Kultur wie Theater und Kino genießen und tiefgründige Gespräche führen sind Dinge die mir doch immer mehr fehlen. Und düsteres graues Regenwetter bei dem die Welt ihre Farbe verliert und nur noch trostlos grau ist. Das fehlt mir verrückter Weise auch.  Leiden auf hohem Niveau. Das könnte man sagen, habe ich doch hier nahezu immer gutes Wetter und wenn ich wollte könnte ich mich jedes Wochenende an die schönsten „bepalmten“ Sandstrände überhaupt legen aber so ein kaltes Gewitter hat auch seine schöne Seiten.

Wie auch immer.  Der Countdown läuft und ich muss langsam mal überlegen was ich hier noch machen und was ich noch an Erfahrungen mitnehmen möchte. Auf jeden Fall reise ich, eine Woche früher als die meisten Anderen meiner Organisation, am 3. August ab und fliege über Dubai nach Hamburg um mit zwei anderen Freiwilligen meiner Organisation auf dem Vorbereitungsseminar unserer Nachfolger einen Schuss Erfahrung und aktuelle Informationen zu liefern. Eine sehr gute Einrichtung der DTP außerdem, da so einer nachhaltigen Entwicklung der Projekte unter die Arme gegriffen wird.  Dann nach ein paar Tagen auf dem Seminar geht es endlich zurück nach Hause - in das andere Zuhause meine Ich eben. Ich glaube es wird sehr schwer. Ich werde Zanzibar sehr vermissen.Zwei Seelen wohnen in meiner Brust.

Ich bin gespannt – das wird sicher eine schockierende Erfahrung wieder nach Hause zu kommen. Re-entry shock nennt man das…… Aber bis dahin bleiben ja auch noch der Monate.

Samstag, 9. April 2011

On The Far Side Of East Africa...

Hermes, der Goetterbote., oder so aehnlich.




Ja , es klingt so als ob ich nur Reisen würde. Aber in letzter Zeit gab es nicht allzu viel Neues aus unserem Projekt zu berichten, weshalb jetzt direkt auf meinen letzten Reisebericht ein neuer folgt.
Es ist der 13.3.2011 und ich stehe am Flughafen in Dar Es Salaam auf dem Tansanischen Festland um meinen besten Freund Niki in Empfang zu nehmen, der von Berlin über Frankfurt, Addis Abeba nach Dar Es Salaam geflogen ist. 

Zwei Wochen liegen vor uns in denen wir uns vorgenommen haben, die Weite Tansanias zu durchqueren um nach Ruanda zu gelangen. Eine weite Reise. Und eine ungeplante Reise.
Einerseits wusste ich zuerst eine Woche vorher überhaupt Bescheid ob Niki kommt und andererseits ist es nahezu unmöglich hier ein Reise wirklich zu planen und außerdem war mir das sowieso zu viel Stress. 
Da lang!

Also ging es am nächsten Morgen (Montag der 14.3.)um 6 Uhr mit einem Bus von Mohammed Trans über Morogoro und die tansanische Hauptstadt Dodoma nach Singida in Zentral-Tansania.
In Singida wurden wir auch schon erwartet von einer anderen Freiwilligen namens Lara die ich auf Sanisbar früher kennengelernt hatte. Die Nacht verbrachten wir bei einem Priester und dem Mentor von anderen Freiwilligen, der sein Wohnzimmer (mit X-Box eines Freiwilligen ausgestattet) mit Unmengen von schrecklich kitschigen Heiligenbildern in grellen Farben tapeziert hatte. Besonders stach ein „Schrein“ aus einer Styropor Verpackung mit einer goldenen Plastik-Weihnachts-Girlande umrandet hervor, der in seinem Inneren ein Bildnis Jesu beherbergte.
Am nächsten Tag besichtigten wir darauf mit Lara große granitene Felsformationen die überall in der Landschaft um Singida wie aus dem All herabgefallene Findlinge bizarre „Steinhaufen“ bilden. Auf eine am salzenen Lake Singida liegende Formation kletterten wir also hinauf und genossen die Aussicht und sonnten uns. 

Keine gute Idee – das Sonnen. Auch wenn unfreiwillig zogen wir uns all drei anschauliche Sonnenbrände zu. Besonders Niki der aus der sonnengemiedenen und kalten Nordhalbkugel zu uns kam, hatte noch eine lange Zeit mit seiner sich schälenden Nase zu kämpfen. 


Wie ging das nochmal mit der Schule..?
 Am Abend ging es dann weiter nach Iguguno, einem kleinen Ort in dem Lara mit einer weiteren Freiwilligen namens Claudia in einer halbmuslimisch halbchristlichen Gastfamilie lebt. Nach einem köstlichen Abendessen und einer Nacht mit sintflutartigem Regen (es ist gerade Regenzeit in Tansania) ging es dann am nächsten Morgen mit in den Englisch Unterricht von Claudia. Nein, nicht sie bekommt Unterricht sondern sie unterrichtet. Und zwar 100 Kinder. 

Als wir in die Klasse kamen und Claudia fragte neben wen sich den die zwei Weißen setzen könnten stachen Unmengen von in blaue Schuluniformen gehüllte Kinderarme in die Luft. Also saßen wir die nächste Unterrichtsstunde auf zu kleinen Bänken in einer zu vollen Klasse und  l e r n t e n  sogar was. Nämlich ein par Sachen über das englische Passiv , die ich schon wieder halb vergessen hatte. Ob jedoch der Rest auch soviel lernte bleibt fraglich. Nach dem Pausengong unternahmen wir einen kurzen obligatorischen Besuch beim Headmaster (-Autoritäten wahren-) , der zu meiner großen Ablenkung von unserem Gespräch, ein Poster mit dem Titel „African Leaders“ über seinem Schreibtisch prangen hatte, das sämtlich Staatschefs Afrikas auch solche prähistorischen wie Mubarak, Ben Ali aber auch „Oberst Gaddafi“ (zukünftig prähistorisch) ablichtete und in mir das heimliche Verlangen erweckte einen Rotstift zu nehmen und wie auf ehemaligen RAF-Plakaten dicke fette rote Kreuze über so manches  Gesichter zu ziehen.  


Warten und nochmals warten auf den Bus...
 Nach diesem wirklich interessantem Schulbesuch (Morgenappel mit Nationalhymne und einer kleinere Prügelstrafe inbegriffen) machten wir uns auch schon auf den Weg unseren nächsten Bus in Singida zu erwischen. 

Zwar stand auf unseren Tickets 11:30 reporting time und angeblich 14:00 Abfahrt doch wir mussten noch bis halb fünf am Busbahnhof rumgammeln bis ein lilafarbiger und gammeliger Bus vor uns zum Halten kam. Taqwa, 36 Stunden von Dar Es Salaam über Singida (unteranderem) nach Kigali der Hauptstadt Ruandas. 

Oh mein Gott, die Unendlich Reise begann. Doch wir hatten Glück und unsere Reise wurde versüßt da im Bus zwei (weibliche) deutsche Freiwillige saßen mit denen wir auch schnell ins Gespräch kamen. 

So hier kommt jetzt ein Einschub: Tansania ist ein präferiertes Einsatzland für deutsche Weltwärts-Freiwillige. Es sind ca. um die 300 langfristig im Land bleibende Freiwillige (also wie ich) in Tansania. In Ruanda dem kleinen Nachbarland Tansanias noch dazu um die 50 weitere. Das heißt, das nahezu Jeder Jeden kennt. Einschub Ende.

Mit Sophie und Ronja hatten wir nahezu unmögliche Reiseübereinstimmungen. Ich kam mir schon fast vor wie Faber im Roman „Homo Faber“ von Max Frisch der auf seiner halben Weltreise von einem in den anderen Zufall gerät. Die Welt ist klein. Noch kleiner die Freiwilligen Community in Ost-Afrika. Wie gesagt waren wir auf dem Weg nach Ruanda um dort zwei Mädchen zu treffen, die ich im Dezember in Zanzibar kennengelernt hatte. Jella und Sarah wollten wir in Gisenji am Kivusee treffen, wo sie gerade zu Besuch bei anderen Freiwilligen waren. Wie sich herausstellte waren die zwei Freiwillige die wir im Bus kennenlernten niemand geringeres als die Bewohner eines Hauses in Gisenji am Kivu-See bei deren zwei anderen Mitbewohnern gerade Jella und Sarah zu Besuch waren. Kurz um, wir trafen auf unsere Gastgeberinnen für die nächsten Tage irgendwo in Zentral Tansania einen Tag von Kigali entfernt und rafften zuerst garnicht wer der jeweils andere war und das wir die nächsten Tage mit einander verbringen würden. Zufall! 

Die Nacht verbrachten wir nach rund 6 Stunden Fahrt  auf ungemütlichen Bussitzen im nicht nennenswerten Transitstädtchen Kahama , wo der Bus die Nacht parkte , da es auf der noch folgenden Strecke in letzter Zeit vermehrt zu brutalen nächtlichen Überfällen auf Reisebussen gekommen war. 


Wir auf der Grenzbruecke zwischen Tansania und Ruanda.
Hintergrund: Wasserfall.
 Gegen mittags des nächsten Tages (Donnerstag) erreichten wir endlich die ruandische Grenze. Wie ein kleines Kind freute ich mich endlich Ruanda zu betreten, da ich diesen Entschluss schon viele Monate vorher gefasst hatte.  Warum Ruanda? Erstmal sagen viele Ruanda sei das schönste Land Afrikas und zweitens interessierte mich besonders wie eine Gesellschaft die noch 1994 ein unbeschreiblichen Genozid erlebte in dem in rund 100 Tagen circa eine millionen Menschen in ermordet wurden sich heutzutage verhält und wie es sich in Ruanda mit der boomenden Gesellschaft die sich zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt verhält. Und jetzt stand ich auf der Brücke die über einem tobendem rotbraunem Wasserfall schwebt und die Verbindung zwischen Tansania und Ruanda ist. Auf nach Ruanda. Noch ein paar Stempel im Pass und weiter geht’s!


Kigali, die Hauptstadt Ruandas.
 In Kigali angekommen, schnappte sich jeder ein Motorrad-Taxi und wir fuhren den Steilen Berghang Kigalis zu seiner Kuppe und seiner „Downtown“ hinauf. Kigali (ca. 1654 m. ü. M.), dass mich mit seinen steilen und sauberen Straßen an San Francisco erinnerte forderte jedoch sofort sein erstes Opfer. Und zwar meine rechte Wade die ich mir nach meinem ersten Motorrad-Ride beim Absteigen am Auspuff verbrannte. 

Über die Nacht kamen wir bei Carli (wiederum ein Freiwilliger den ich in Zanzibar kennengelernt hatte)in einer sehr lebhaften 4 Männer WG unter um dann am nächsten Morgen wieder aufzubrechen um uns die Genozid-Gedenkstätte in Kigali anzusehen, die Mehre tausend Tote beherbergt und ein sehr bewegendes und innovatives Museum hat. 

Noch am selben Tag ging es durch die hügelig bis bergige Landschaft  Ruandas weiter Richtung Gisenji , der Grenzstadt zum Kongo. 

Ueber dem Kongo geht die Sonne unter.


Dort wurden wir herzlich willkommen geheißen in einer WG die aus allen Nähten zu platzen schien. Das normalerweise von 4 Leuten bewohnte Haus am Kivu-See beherbergte bereits zwei Gäste aus Deutschland einen Australischen Backpacker und nun uns zwei. Hier verbrachten wir die nächsten Tage. Und wollten uns eigentlich immer aufraffen weiter zu ziehen doch die Landschaft, die 4 Mädels und (zumindest für mich) das westliche Ambiente schob unsere Reise immer weiter hinaus. 

Das Haus am See. The place to be!
Das Haus am See. Eine kleine Residenz wie sie für Freiwillige definitiv nicht üblich ist. Mit schönem kleinen Garten und einer Grundstücksgrenze die direkt an den See grenzt, so das man direkt in den See steigen kann, war wie der Inbegriff eines Traums am Ende meines Horizontes. Schließlich waren auf der anderen Seite des Sees dunkle Gebirge zu erkennen hinter denen entweder die Sonne unterging oder über denen ein Gewitter tobte die Grenzmarken der „Demokratischen“ Republik Kongo, von dem man nahezu nur Schlechtes hört und für den wir ein absolutes Einreiseverbot haben.

In meinen naiven Gedanken stand ich also am Ende der Welt wie ich sie kenne, was so banal es auch klingt etwas Existenzielles hatte aber auch einen gewissen Reiz auslöste die Grenze zu überschreiten. Aber ich will keine Elends-Safari machen nur um einen Stempel im Pass vorzeigen zu können, der verkündet das ich auch wieder ausgereist bin. Das wäre doch zu obszön. Doch der Reiz war da.

Ahoi! Auf dem Kivu-See. Ich auf Ausschau nach
einem Methan-Blowout!
In Gisenji besichtigten wir heiße Quellen, wanderten die wunderschöne grüne Küste entlang, machten einen Ausflug nach Ruhengeri (da starten die berühmten Gorilla-Safaris die kein Schwein bezahlen kann) wunderten uns über eine Brauerei die für ganz Ruanda nahezu alle Getränke herstellt (Guinness (!), Heineken, alle drei ruandischen Biere, und sämtliche Cola-Produkte) und zwar alles in einer Brauerei und wir paddelten ein paar mal mit einem Einbaum auf dem See herum.

Besonders lustig war als wir samstags feiern waren und wir auf dem Rückweg dann mit neun (!) Motorrad-Taxis nach Hause rasten und ich mir vorkam wie auf Betriebsausflug der Hells-Angels Ruanda als sich unsere Fahrer gegenseitig die steile und kurvige Küsten-Straße hinauf jagten. Ja Mama, ich habe es überlebt. 

Der Kivu-See kurz vor einem Gewitter.
Nach einem sehr schweren Abschied ging es dann am Mittwoch den 23.3 über Kigali wieder Richtung Tansania. Nach einer Reise von zwei Tagen mit Übernachtung in Kahama weil wir den Anschlussbus um eine halbe Stunde verpasst hatten, ging es weiter nach Mwanza. 

Mwanza. Im Hintergrund der riesige (Bilharziose-verseuchte) Victoriasee.
In Mwanza der zweitgrößten Stadt Tansanias am legendären Victoriasee aus dem sich unteranderem auch der Nil speist wurden wir von Till und Kornelius erwartet, die mit mir als DTP-Freiwillige in Tansania sind und für einen Solarladen arbeiten, der zu meinem Erstaunen ein wahnsinniges Verkaufsvolumen hat, von dem aus sie unterschiedliche Projekte starten.

Eine kleine Stadttour  später, bei der es nicht besonders viel zu sehen gab außer einer Felsformation im Lake Victoria die nach Otto von Bismarck „Bismarck Rock“ heißen und einen Hauch von sonst vergessener deutscher Kolonialgeschichte aufsteigen lassen, aßen wir noch eine Pizza und fuhren zu Till und Kornelius‘ Container. Ja, genau: Container. Die zwei – auch wenn sie am See wohnen- haben kein Haus am See sondern lediglich zwei zusammengestellte Container mit Küche und Bad. Eigentlich ziemlich cool, aber schon lustig. 8 Mile of Mwanza! 

Abends in einer Bar am See gab es dann noch ein mystisches Spektakel zu sehen. Der ganze See funkelte. Überall auf der Oberfläche glühten kleine Sterne, die sich nach Erklärung der zwei als Fischerboote herausstellten. Im Victoriasee wird ein kleiner Fisch – Dagaa – gefangen und um diesen anzulocken benutzen die Fischer Kerosinlampen die nachts auf dem See funkeln. Außerdem ist ein Projekt der zwei die teuren und gefährlichen Kerosinlampen der Fischer durch Solarlampen zu ersetzen.


Der Horror - Coach
 Am Samstagmorgen mussten wir mal wieder um 4 Uhr morgens raus um unseren Bus zu unserem letzten Etappenziel Arusha zu bekommen. Eigentlich wollten wir einen Bus durch die Serengeti nehmen doch wir fanden keinen Busanbieter in Arusha weil viele meinten in der Regenzeit fahren sie nicht durch die Serengeti wegen zu schlammigen Pisten. Also dann eben nicht. Außerdem sparten wir uns damit die teuren 50 $ Parkgebühr pro Kopf die sich bei einem einfachen Durchqueren durch den Park ohne Anzuhalten wohl nur bedingt gelohnt hätten. Also ging unsere Route jetzt durch den Süden um die großen Gameparks herum. 

Es folgte die schrecklichste Busfahrt meines Lebens! Wollte ich mich beim Mittagsstop in Singida noch beim Busfahrer beschweren, da er mit kaum verringerter Geschwindigkeit über jeden Speedbump raste der ihm unter die Achsen kam und uns zwei , die wir in der vorletzten Reihe hinten saßen, wo die Hebelwirkung einen besonders hochschleudert, jedes mal in die Luft katapultierte, sollte mir nach Singida erst das wahre Grauen blühen.

Mit überteuerten (2000 TSH – Wichser!) Raststätten-Chipsi Kavu im Magen begann der Höhlentrip. Hinter Singida ist die Straße nicht mehr befestigt, beziehungsweise wird gerade neu gebaut, was heißt das der Bus durch ein gefühlte 2 Meter Löcher nach dem anderen rast. Es war das Fegefeuer und es ging drei Stunden und 15 Minuten lang. Es ging durch eine schöne Landschaft dir ich aber leider nicht vor meinen Augen besonders scharf stellen konnte, denn sobald ich einen Fixpunkt hatte versank der Bus auch schon in einem Schlagloch um wie von der Tarantel gestochen wieder daraus hervorzuschießen. Nach einer Weile hatte ich die beste Sitzposition heraus. Ich drückte mich mit ganzer Kraft in meinen Sitz damit ich die derben Bewegungen des Busses mitmachte um nicht immer wieder in die Luft geschleudert zu werden um danach mit Ach und Krach auf meinen harten Sitz hinabzustürzen. Musikhören hatte ich zu diesem Zeitpunkt sowieso schon aufgegeben, da immer wieder bei größeren Bocksprüngen mein MP3-Player ausging. Mist! Besonders mies ist es wenn zwei Schlaglöcher auf einander folgen. Das bewirkt dann, das man bei Loch 1 in die Luft geschleudert wird und im freien Fall zwischen Decke und Sitz Loch 2 das Heck des Busses ein weiteres Mal in die Luft schmeißt so dass es wie ein Schlag auf den Hintern einen mit voller Wucht im vermeintlich „freien“ Fall wieder wegschlägt wie ein Baseballbat den Baseball. Einmal als ich gerade telefoniert hatte und mich noch nicht wieder festhielt schleuderte ein heimtückisches Schlagloch (jetzt verstehe ich auch die Etymologie des Begriffes SCHLAGloch) mich rund 50 Zentimeter hoch so das ich mir an einer Metallkante der Gepäckanlage über mir eine riesen Beule am Schädel zuzog, die laut Niki sogar ein wenig blutete. Gut das ich hinten und der Fahrer vorne saß und ich einen Weg durch den Gang zu ihm wohl sowieso nicht überlebt hätte. Achja da fällt mir ein: Anschnallgurte gibt es außerdem sowieso nicht.

Da war das Moto-Taxi in Kigali schon lustiger


Irgendwann schafften wir es sogar noch auf eine richtige Teerstraße und die Speedbumps hatten auf einmal eine erlösende Zärte im Vergleich zu der zurückliegenden düsteren Etappe meines Lebens. Auch das Mädchen neben mir machte einen erleichterten Eindrück hatte sie sich ja auch die restliche Fahrt über diskret in ihren Kanga (Stoff den Frauen tragen) erbrochen. 

Als wir endlich in Arusha bei Tami und Georg ankamen, wieder Freiwillige meiner Organisation der DTP, kam ich mir vor wie ein Kreuzfahrer mit Kreuzschmerzen der nach jahrelanger Reise Jerusalem erreicht. Naja zumindest fast. Abends ging es dann sogar noch weg. Und nach einem unendlich langen Tag an dem Niki und ich über 24 Stunden wach waren ging es dann im Morgendämmern ins Bett. 

Am Sonntagmorgen während die Gastfamilie Tamis und Georgs in der Kirche war, saßen wir im Wohnzimmer und tranken noch ganz kaputt unseren Morgentee als ein Angestellter der Familie der sich um die Kühe kümmern soll, die Chance ergriff und sich auf der Couchlehne sitzend Pornos auf dem Fernseher ansah. Eine bizarre Situation! Und zum Schreien komisch, als er dann als die Familienmutter ins Zimmer kam so tat als hätte er nicht Ferngesehen und in Sekundenschnelle den Fernseher ausschaltete. 

Den Rest des Tages besichtigten wir Arusha das vom mächtigen Mt. Meru (4.562 m. ü. M.) überschattet wird. Eigentlich wollten wir noch in das Ruanda Tribunal der UN das in Arusha seinen Sitz hat und von dort aus die Nürnberger Prozesses des Ruanda-Genozids leitet, jedoch war es am Sonntag geschlossen. Schade, nach unserem Besuch in Ruanda hätte mich das auf jeden Fall sehr interessiert, besonders weil man live  Verhandlungen mit den „Génocidaires“ (wie man in Ruanda sagt) beisitzen kann. 

Am Montag also ging es dann zurück nach Dar Es Salaam, das wir nach rund 10 Stunden Fahrt relativ fix erreichten und noch dazu in einem Luxusbus mit weichen Sitzen und zurückklappbaren Lehnen so dass man doch auch ein wenig schlafen konnte. 

Der hoechste Berg Afrikas: Der Kilimanjaro

In Dar Es Salaam ging es dann abends zu meiner besonders großen Freude noch ins Kino (Ostafrikas Größte Leinwand!!!) in den Film „Black Swan“, der mir ausgesprochen gut gefiel. Ich war nur äußerst verwirrt als ich den Kinosaal verließ und nicht in meiner kühlen deutschen Heimatstadt auf einer verregneten Straße stand und nach der nächsten Dönerbude Ausschau halten konnte, sondern mitten in der Millionen Metropole in Dar Es Salaam die alles andere als kühl war. Der Kinosaal sah einfach aus wie in Deutschland. Lustiges Gefühl kurz weg gewesen zu sein. 

Fazit:

Alles in allem eine sehr gelungene Reise mit der ich sehr zufrieden bin. Zwar hätte ich gerne noch ein anderes Land der East African Community (EA) gesehen aber man kann nicht alles haben. Besonders kann ich Ruanda empfehlen, das mit seinen sauberen Straßen, die teils sauberer sind als in Deutschland beispielsweise, einen absoluten Kontrast zu Tansania bietet. Auch der „Wohlstand“ Ruandas den man im Vergleich zu Tansania zu erkennen glaubt, ist interessant. Besonders beeindruckt haben mich in Kigali das die baulichen Trennungen zwischen den Fahrspuren der Straße akkurat nagelscherenhaft-getrimmten Rasen aufzuweisen hatten und alle paar Meter sich eine gepflegte Palme erhob. Man vergleiche dies mit Dar Es Salaam! Des Weiteren ist die Landschaft Ruandas umwerfend. Die grünen und fruchtbaren Hänge dieses Landes der Tausend Hügel sind bis an den Gipfel mit Feldern bestückt, die zu beackern an ein Kunststück grenzt. Außerdem war auch das Klima mit seiner Kälte –immerhin ist Ruanda durchschnittlich auf einer Höhe von 1500 Meter gelegen- mal wieder echt angenehm. Und zuletzt sind auch Ruandas gesellschaftlichen Normen interessant bis befremdend. Es ist verpönt auf der Straße und in der Öffentlichkeit zu essen, da man sich damit über die die nichts zu Essen haben, lustig macht. Das Selbe gilt für barfuß laufen und dreckige kaputte Kleider tragen. Dies wird als Affront gegenüber Menschen ohne Kleider und Schuhe aufgefasst. 


War doch alles freshi! Niki und Ich in Ruhengeri in Ruanda

Also jetzt wieder rein ins trübe nebensaisonales Alltagsleben des jetzt auf einmal besonders kleinen Zanzibar =)




Dienstag, 8. Februar 2011

Safari - auf Reise

Oh je. Da hat man sich circa 4 Monate lang nicht gesehen und hat in ganz unterschiedlichen Kulturen die letzten Monate verbracht und will dann knapp einen Monat mit einander Zeit verbringen? Meine Zweifel waren zuerst groß: Will ich überhaupt , dass meine Eltern und meine kleine Schwester mich hier in meinem neuen zu Hause in Zanzibar besuchen kommen?  Nein, zuerst wollte ich es nicht.

Meine Angst , aus der Kultur hier wieder rausgehauen zu werden und nach der Abreise meiner Familie in eine Phase des Heimwehs nach Deutschland (und nach dem Zanzibar davor) zu fallen, hat sich nicht bestätigt. Auch wollte ich ursprünglich dieses Jahr ganz allleine durchziehen und aus Mami's Schoß abhauen, und mir was eigenes aufbauen. So weit ich dass jetzt nach 5 Monaten sagen kann, habe ich das auch geschafft und der Besuch meiner Eltern hat mich nicht daran gehindert.

Rückblick:
Am 22. 12. 2010 ist meine Familie in Dar Es Salaam trotz verschneiter Flughäfen in Deutschland gelandet um sich einem Klimaschock und 40 ° C Temperaturunterschied auszusetzen. Nach dem Übersetzen per Fähre nach Zanzibar , erwartete ich sie auch schon am Hafentor von Zanzibar Stone Town. Ein verrückter Moment! So in einer anderen Kultur zustecken und dann auf einmal seine Familie , das Symbol der Kultur die man wie ein saisonalen Wintermantel vorrübergehend abgelegt hat, mitten in der neuen Kultur Zanzibars stehen zu sehen. Aber natürlich war die Freude groß - auf beiden Seiten!

Es folgten ein paar Tage am Strand im Süden Zanzibars in Bwejuu und eine (korallensand-)weiße Weihnacht. Am 28.12 dann ging es nach Arusha im Norden des tansanischen Festlands zu Füßen des Kilimanjaros. Von dort brachen wir am darauffolgenden Tag auf . Wohin? Auf Safari ! Mit einem Safari-Auto , einem Koch und einem supernetten Guide und Fahrer (Bilal) sowie einer Menge Gepäck und essbaren Köstlichkeiten wie original Philadelphia - Frischkäse (10 000 TSH = ca. 5 € ; Deutsches Exportprodukt , importiert über einen arabischen Zwischenhändler) ging es also los.

Den ersten Tag stand der kleine Game-Park Manyara auf dem Programm mit Übernachtung auf einem Campingplatz im Ort Mto wa Mbu (Kisw.: Fluss der Fliegen) . Am nächsten Tag passierten wir das Tor des Ngorongoro-Crater National Parks , hinterdessen Gate, wild und urwaldartig bewachsene Hänge mit prähistorischem Flair lockten. Wie ein Tor in eine andere Welt und Zeit erschien es mir. Während wir also durch den Wald den James Camerons Creative-Team von Avatar zu erschaffen haben schien fuhren sank je zurückgelegten Meter rote huckelige Sandpiste die Temperatur. Mich begann es zu frieren , Temperaturen unter 25 ° C war ich nicht mehr gewohnt. Auf der Kuppe, dem Kraterrand des Ngorongoro-Vulkankraters angekommen, offenbarte sich ein biblisches Bild , einer von steilen Hängen umgebenen Ebene , die nahezu komplett mit nichts als Gras bewachsen ist und in dessen Kratersee sich die Sonne so spiegelte, das er aussah wie eine riesige beschienene Spiegelscherbe.

Am Grab von den Serengeti-Pionieren Grzmek vorbei ging es den Kraterrand vorbei und auf der anderen Seite wieder herab gen Serengeti. Der Abstieg vom gut 2500 Meter hohen Kraterrand gen Steppe, verlor nun auch das letzte bisschen irdisches. Unser Jeep kämpfte sich auf einer ewigen Sandpiste durch eine Landschaft die in ihrer Weite und Kargheit und ihren ununterbrochenen geschmeidigen Linien wenig einem irdischen Platz ähnelte. Weit und breit kein Baum kein Stein, nur Gras und weiche Übergänge von Berghang zu Ebene zu Berghang. Dazwischen , wie aus einer anderen Zeit weideten riesige Herden von Gnus und Kühen die von den dortansässigen Masaai domestiziert werden. Die einzelnen Rundsiedlungen die sich von der Landschaft absetzten waren neben der Straße die die Landschaft zerschnitt das einzige Zeichen der menschlichen Existenz. Doch das Bild trügt. Die einzelnen Masai -Siedlungen sind teilweise nur in Nähe der Straße gebaut um für Touristen , die dann zu Hause neunmalklug erzählen , dass sie das "wahre"  Afrika gesehen haben , eine weitere Attraktion zu bieten. Der Kontrast , bei dem man nicht weiß ob man lachen oder weinen soll, wird umso krasser wenn mehrere Große Safari-Jeeps vor den kleinen Zäunen der Siedlungen parken und wie Raubtiere die Siedlung umzingeln. Doch die Tore öffnen sich für die mit Ray-Ban-Sonnenbrillen und Canon-DSLR-Kameras ausgestatteten Touristen die sich die Siedlung zu Gemüte führen. [Das Thema des Kulturausverkaufs soll hier nicht weiter erörtert werden, vielleicht in einem weiteren Artikel] Völkerschau stand nicht auf unserem Programm weiter ging es also in die Serengeti.

Nachmittags auf der Dik Dik-Campsite angekommen, ging es noch auf eine kurze Schnupperfahrt durch die unendlich Weite der Serengeti. Es folgten weitere zwei Tage Tiere suchen in der Serengeti. Einer wahnsinnigen Landschaft in der man an Stellen bis zum Horizont blicken kann ohne  einen einzigen baum oder Felsen zu sehen. Unendlich Weite. Die ewigen Jagdgründe wenn man in kitschigen Metaphern sprechen will, dennoch ein passender Begriff da man zu meiner großen Erstaunung kaum 10 Minuten ohne irgend ein Tier wie Gnu, Zebra, Gazelle, Elephant, Hyäne, Dik Dik, Nilpferd, Affe, Giraffe, Löwe, Gepard, Leopard , Geier oder Krokodil (in absteigender Häufigkeit) verbrachte.

Abends wenn die Sonne unterging und man vom uneingezäunten Campingplatz in die Weite der (hier) mit Schirmakazien gespickten Steppe sah konnte man Hyänen und Elephanten zusehen bis sie von der Dunkelheit verschluckt wurden. Wer an Afrika denkt , denkt an ein Klischee, denkt an Hitze, denkt wohl meist an die Serengeti. Er täuscht sich. Erstens ist Afrika so vielfältig das man es kaum mit einem Begriff wie "Afrika" beschreiben kann und desweiteren ist die Serengeti teils arschkalt. Ich habe die meiste Zeit gefroren außer die Sonne hat mal richtig stark geschienen.

Ein weiteres Erlebnis ist noch erwähnenswert, so traf ich nämlich mitten in der Serengeti auf meinem Campingplatz zufällig Loulou , eine Freundin aus Baden-Baden, nach dazu an Sylvester. Nach einem Gespräch mit ihr und ihrer Familie, sahs ich nun alleine vor meinem Zelt mit Blick auf die Serengeti und wartete alleine (alle anderen waren schon im Bett)  das das neue Jahr anbrechen würde. Es kam und mit ihm kam aus dem Gebüsch ein Rascheln und als ich meine Taschenlampe auf das rascheln richtete floh eine in den lichtkegel gerückte Hyäne vor mir davon. Was für ein Sylvester.

Am vorletzten tag unserer Safari schlugen wir unser Lager am Kraterrand des Ngorongoro auf und fuhren am nächsten Tag in steilen Serpentinen dem Kraterboden entgegen. Eine wahnsinnige Landschaft umgeben von einer Mauer aus Gebirge in deren Mitte sich Unmengen von Tieren tummeln. Wovon ich nur die Flamingoschwärme im Kratersee nennen möchte die sich von der Serengeti abhoben. Des Weiteren konnten wir auch eines der seltenen Nashörner sehen, wenn acuh so weit entfernt, das es kaum zählen kann.

Nach einem beeindruckenden Aufstieg aus dem Krater den der Jeep nur mit Allradantrieb vollführen konnte ging es auch schon wieder zurück nach Arusha.

Nachdem ich eine Woche auf dem Zwischenseminar in Bagamoyo gewesen war, zeigte ich meiner Familie also noch Stone Town und meine Gastfamilie, bei der es ein köstliches Abendessen gab, das mich besonders beglückte da der Zusammenprall meiner zwei aktuell existierenden Welten Europa und Zanzibar kein Zusammenprall sondern eine schöne Symbose war und ich froh war beide Familien einanderbekannt gemacht zu haben. Am 12.01.2011 also brach meine Familie wieder auf ins eisige Deutschland und ich war froh nach vier schönen und anstrengenden Wochen endlich wieder in meiner sansibarischen Familie anzukommen und mir eine Privatspähre und Zeit für mich zu gönnen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

40 ° C Fieber

Am Samstag den 14.November bin ich nachts aufgewacht mit schrecklichen Kopfschmerzen,Schwindel,leichter Übelkeit,Durchfall und Fieber. Am nächsten morgen habe ich dann erstmal Fieber gemessen und als die LCD Anzeige stolze 40,1 ° C anzeigte bin ich gleich in die Stadt gerast um eine Klinik aufzusuchen. 

3 Tage lang lag ich darauf dann in der Zanzibar Medical Group Clinic bis ich es nicht mehr aushielt. Zanzibar hat keine wirkliche medizinische Versorgung und meine "Ärzte" in der Klinik haben sich zwar liebevoll um mich gekümmert hatten aber nicht die Geräte, Labors und das Wissen um eine wirkliche Diagnose zu stellen. Nachdem dann nachts auch noch eine der vielen Infusionsnadeln die Lösung nicht mehr in meine Vene sondern in mein Gewebe fließen lies, so dass meine Hand 2 Stunden lang schmerzhaft anschwoll und ich meine Armbänder durchschneiden musste und meine Finger nicht mehr bewegen konnte, lies ich mich von meiner Versicherung am nächsten Morgen nach Dar es Salaam aufs tansanische Festland verlegen.

Am Donnerstag um 10:00 Uhr ließ ich mich also vom Accountant Manager der "Klinik" in einem klapprigen Auto zum sansibarischen Flughafen fahren. Dort angekommen hatte meine Versicherung bereits alles organisiert: Ein extra Mediback Flugzeug mit 2 Sanitätern landete auf dem Airport um mich abzuholen. Alles ziemlich dramatisch und ich kam mir etwas hysterisch vor, da es mir an diesem Morgen eigentlich schon wieder ganz gut ging. Auf jeden Fall stürmten die zwei Sanitäter wie unter Kreuzfeuer des Vietcong in Vietnam über das Rollfeld um mich abzuholen. Das kam mir alles sehr übertrieben vor. Aber ich muss auch zu geben, dass ich meiner Versicherung meinen Zustand als sehr schlecht beschrieben habe, damit die endlich in die Potte kommen, da sie sich zuerst ein wenig gesträubt hatten.

Wie auch immer hob mein "Privatflugzeug" mit mir, 2 tansanischen Sanis und einem weißen Piloten nach nur knappen 5 Minuten wieder ab. Lustig war, dass der neue sansibarische Präsident Dr. Shein kurz vor meinem Flugzeug auf dem Rollfeld mit seinem nagelneuen weißen Mercedez angerollt war und mit einem regulären Linienflug nach Dar Es Salaam erst nach mir abhieb. Ich kam mir sehr wichtig vor, wie ich da so mit Luftzufuhr-Schlauch in der Nase und Blutdruckmesser am Finger im Fluzeug sahs und Zanzibar unter mir kleiner wurde und sich vor mir das weite Meer mit seinen türkisenen Korallenriffen auftat. Eine wunderbare Aussicht!

20 Minuten später in Dar gelandet für auch schon der Krankenwagen auf dem Rollfeld vor um mich direkt in die IST Clinic Dar Es Salaam z bringen. Mit Blaulicht bahnte sich der Krankenwagen also seinen Weg durch den schrecklichen Verkehr Dar Es Salaams um mich in einer kleinen Klinik (eher größere Arztpraxis) aber mit europäischem Standard abzusetzten. Zwei Tage war ich dann in der IST Clinic und genoss das Gefühl in der Hand von fähigen Ärzten zu sein. Die Krankenschwestern sprachen perfektes Englisch und eine Schwester sprach sogar ganz gutes Deutsch, da sie in München mal eine Fortbildung gemacht hatte. Die Ärzte -allesamt Europäerinnen- waren nach den Ärzten in Zanzibar ein echter Aufschwung. Das mag rassistisch anmuten aber leider ist es immer noch so, dass tansanische und sansibarische Ärzte hier eine zu schlechte Ausbildung erhalten und Eurpäern um Längen hinterherhängen.

Nach 2 Tagen war ich nun endlich wieder wohl auf und ein Tag später wieder fit genug um nach Hause nach Zanzibar zurückzukehren. Meine Diagnose muss aber noch warten, da meine Blutproben noch auf dem Weg nach Holland zur Untersuchung unterwegs sind.

Samstag, 20. November 2010

50,1 Prozent !

Dieser Artikel erscheint stark verspätet unteranderem weil ich krank war/ bin. Ich bitte um Nachsicht


Neuer sansibarischer Präsident. Quelle: ccmmarekani.blogspot.com/
Rund drei Wochen nach den Wahlen scheint sich Zanzibar wieder zu normalisieren. Zwar hängen noch über nahezu allen Straßen Banner aus vergangenen Zeiten des Wahlkampfs, doch sie scheinen ein Relikt der alten Ordnung zu sein. Alte Ordnung? Das klingt och verdächtig nach Unordnung und Gewalt werden jetzt manche denken doch sie täuschen sich. Es scheint das gerade diese alte "Ordnung" dahin ist.
Das teilautonome Zanzibar, dass am 30. Oktober eine neue Regierung und einen neuen Präsidenten wählte hat nur zwei Tage auf sein langangefiebertes Wahlergebnis warten müssen. Am Dienstag den zweiten November wurde dann das Ergebnis verkündet, für viele kein unerwartetes Ergebnis für das im Wahlkampf  hartumkämpfte Zanzibar, doch für manche vielleicht auch ein lächerliches Ergebnis. Die seit der ersten demokratischen Wahl regierende Chama Cha Mapinduzi hat wieder einmal gewonnen und zwar mit knappen 50,1 Prozent aller Wählerstimmen die Civic United Front (CUF) hat als Oppositionspartei mit 49,1 ein ungleich schlechteres Ergebnis eingefahren.

Noch vor 5 Jahren bei den letzten Wahlen erkannte die CUF das Ergebnis nicht an und Zanzibar Town wurde zum Schlachtfeld zwischen CUF und regierungstreuen Gruppen. Es gab etliche Verletzte und auch Tote. Doch dieses mal scheint alles anders zu sein. Zanzibar ist friedlich, das Aufgebot an Sicherheitskräften und Militär hat sich stark reduziert im Verglecih zu den letzten Wahlen und es kam zu keinen mir bekannten Zusammenstößen und Unregelmäßigkeiten zwischen CUF, CCM und Polizei. Ein Novum in Zanzibars Geschichte! Doch wie kam es dazu?

Im Juli 2010 schritt das Volk Zanzibars bereits zu einer Wahl.  Schon immer leisten sich CUF und CCM auf Zanzibar ein Kopf um Kopf - Rennen.  Und auch dieses Mal schien is darauf hinauszulaufen. Ein paar kluge Köpfe im Parlament erkannten dieses Mal jedoch, dass es eine verfassungstechnische Möglichkeit gibt dieses Mal Konflikte klein zu halten. Also schritt Zanzibar im Juli  zur Abstimmung und entschied, dass CCM und CUF nach der Wahl -egal bei welchem Ergebnis- gemeinsam als (sehr) große Koalition zusammen reagieren sollten. Die stärkste Partei stellt den Präsident. Mit diesem, in meinem Verständnis höchst demokratischen Schritt,  zeigte sich, dass man lieber "salama" (Frieden) als den absoluten Sieg der von einem angepriesen Partei hat.

Vor diesem Hintergrund beschreitet der neue Präsident Dr. Ali Mohammed Shein (CCM) und sein (neuer) Kollege und Vizepräsident Seif Shariff Hamad (2005 hatte er noch das Wahl-Ergebnis angefochten) der CUF einen neuen Weg der sansibarischen Geschichte. Shein selber verkündete bei seiner Amtsantrittsrede, dass Zanzibar heute friedlich ist, " dieser Friede wurde uns gebracht durch die Verbrüderung zwischen unseren Parteien (CUF und CCM). Ich werde mich darum kümmern, dass dieser Geist erhalten bleibt [...] Die Herausforderungen vor uns sind enorm aber ich werde es schaffen wenn wir zusammenarbeiten und als Team arbeiten."

Shein bei seiner Amtsantrittsfeier im Amaan Stadium. Quelle:media.paran.com/


Bei der feierlichen Zeremonie im Amaan Fussball-Stadion in Zanzibar Town, jubelten sich darauf Anhänger beider großen Parteien zu während Dr. Shein die stolzen Reihen des Militärs abschritt und mit 21 Kanonen-Salutschüssen geehrt wurde. Die Innenstadt selbst wurde nach Verkündigung der Wahlergebnisse zu einem einzigen Festplatz. Überall auf den Straßen Richtung Stadt pilgerten grün-gelbe Anhänger der CCM ins Stadtzentrum um ihre Freude in den Massen auszuleben. In den Außenposten der CCM sogenannten "Tawis" (in etwa: Ast) , kleinen Parteizentren wummerten Musikboxen und ließen Menschen vor sich tanzen. Auch Anhänger der CUF waren in den Menschenmengen zu sichten wie sie zusammen mit Wählern der CCM feierten. Zanzibar in Hochstimmung.

Erblickt Zanzibar eine neue Epoche? Es scheint so! Während man auf dem tansanischen Festland prognostizierte das Zanzibar wieder in Gewalt untergehen würde, hat sich der Insel-Staat als souverän herausgestellt. Mit dem Volksentscheid zur Koalitionsbildung und dem friedlichen Ablauf der Wahl zeigt Zanzibar eine ganz neue Stärke die auch einen weiteren Schritt auf die von manchen angestrebte Unabhängigkeit vom tansanischen Festland darstellt. Auf dem Festland jedoch, hier gewann ebenfalls die CCM mit 62,8 Prozent, hat die dortige Oppositionspartei "Chadema" (Chama Cha Demokrasia na Maendeleo - Partei der Demokratie und des Fortschritts) die Wahlen aus verschiedenen Gründen als gefälscht erklärt und kämpft dagegen jetzt vor Gericht. Dies führte zu vereinzelten Zusammenstößen besonders in Mwanza am Viktoriasee wo Anhänger der Chadema und Sicherheitskräfte sich Kämpfe boten.

Fest steht, die Wahl ist  nicht nur ein Sieg der CCM (und auch der CUF) sondern ein Sieg, des sansibarischen Volkes das gezeigt hat, dass es bereit ist demokratische Wahlen anzuerkennen und den friedlichen Weg zu gehen. Hoffen wir, dass es dabei bleibt und die "riesige" Koalition, mit 99 Prozent aller Stimmen, gute Entscheidungen trifft in den nächsten 5 Jahren.